Ratgeber · Planen und finanzieren
Teppich-Patenschaft: Spendenaktion in der Moschee organisieren
Wie Gemeinden einen neuen Teppich gemeinsam finanzieren: drei Modelle, Ablauf in sieben Schritten und ein Ankündigungstext zum Kopieren.
Bei einer Teppich-Patenschaft übernehmen Gemeindemitglieder die Kosten für einzelne Gebetsplätze oder Quadratmeter des neuen Teppichs. So verteilt sich ein größeres Projekt auf viele Schultern, und jeder Beitrag wird sichtbar. Den Betrag pro Einheit berechnen Sie als Gesamtbetrag laut Angebot ÷ Zahl der Gebetsplätze.
Dieser Ratgeber zeigt, wie eine solche Spendenaktion abläuft, worauf es bei der Transparenz ankommt und wie Sie sie in der Gemeinde ankündigen.
So funktioniert eine Teppich-Patenschaft
Die Gemeinde legt die Gesamtkosten und eine Laufzeit fest und teilt den Betrag in nachvollziehbare Einheiten, zum Beispiel einen Gebetsplatz oder einen Quadratmeter. Mitglieder übernehmen eine oder mehrere Einheiten.
Der Gebetsplatz gehört dabei niemandem allein: Er bleibt Teil des gemeinsamen Raums. Viele Gemeinden verstehen eine solche Patenschaft als dauerhafte gute Tat (Sadaqa dschariya, eine fortlaufende Spende).
Es gibt drei gängige Modelle:
| Modell | Einheit | So berechnen Sie den Betrag |
|---|---|---|
| Nach Gebetsplatz | 1 Platz | Gesamtbetrag laut Angebot ÷ Zahl der Plätze |
| Nach Fläche | 1 m² | Gesamtbetrag laut Angebot ÷ Fläche in m² |
| Freier Beitrag | beliebig | Mindestbetrag festlegen; das Spendenbarometer zeigt den Gesamtstand |
Die Zahl der Plätze können Sie mit einer Faustregel schätzen: etwa 1,20 m Reihentiefe und 0,70 m Platzbreite pro Platz. Bei einem Raum von 15 × 10 m sind das rund 12 Reihen mit je 14 Plätzen, also etwa 168 Plätze. Bei einem Seccade-Design ist jeder Platz im Teppich sichtbar und zählbar, mehr dazu unter Saf, Seccade oder Medaillon: das passende Design.
Klären Sie vorher, was der Gesamtbetrag im Angebot umfasst, zum Beispiel Lieferung, Verlegung oder die Entsorgung des alten Teppichs. Nur dann stimmt der Betrag pro Einheit. Was ein Angebot beeinflusst, erklärt der Ratgeber Was kostet ein Moscheeteppich?.
Schritt für Schritt: So planen Sie die Spendenaktion
- Vorstandsbeschluss. Der Vorstand beschließt die Aktion, benennt eine verantwortliche Person und eine Stellvertretung und legt fest, wer das Geld verwaltet.
- Angebot einholen. Holen Sie ein schriftliches Angebot ein, idealerweise mehrere zum Vergleich. Ein unverbindliches Angebot können Sie auch bei uns anfordern. Der Gesamtbetrag laut Angebot ist die Grundlage der Rechnung.
- Einheiten festlegen. Wählen Sie ein Modell aus der Tabelle und berechnen Sie den Betrag pro Einheit. Legen Sie fest, ob ein Platz auch von mehreren Personen gemeinsam übernommen werden kann.
- Laufzeit festlegen. Setzen Sie Beginn und Ende der Aktion. Rechnen Sie vom Wunschtermin rückwärts: Ein Teppich nach Maß braucht mehrere Wochen Vorlauf. Soll er zum Ramadan liegen, der 2027 voraussichtlich am 8. Februar beginnt, hilft der Zeitplan für die Bestellung vor Ramadan.
- Ankündigung nach dem Freitagsgebet. Stellen Sie die Aktion kurz vor, durch den Vorstand oder den Imam, und verweisen Sie auf den Text in der Gemeindegruppe (Vorlage unten).
- Liste führen. Halten Sie fest, wer welche Einheit übernommen hat, aber nur mit Einverständnis der Spender. Zwei Personen sollten die Eingänge gemeinsam prüfen (Vier-Augen-Prinzip).
- Abschluss und Dank. Geben Sie das Ergebnis bekannt, bedanken Sie sich bei der Gemeinde und legen Sie die Abrechnung offen.
Transparenz schafft Vertrauen
Menschen spenden gern, wenn sie sehen, was mit ihrem Beitrag geschieht. Diese Punkte helfen:
- Fortschritt offen zeigen. Hängen Sie im Eingang ein Spendenbarometer auf und schicken Sie ein wöchentliches Update in die WhatsApp-Gruppe.
- Verantwortliche Person benennen. Alle in der Gemeinde sollten wissen, wen sie bei Fragen ansprechen können.
- Vorab regeln, was bei Mehr oder Weniger passiert. Halten Sie schriftlich fest, wofür ein Überschuss verwendet wird, und sagen Sie das schon bei der Ankündigung.
Wenn nicht genug zusammenkommt, planen Sie den Restbetrag von Anfang an ein, zum Beispiel aus dem Vereinsbudget. So muss die Bestellung nicht warten.
Fragen zu Zuwendungsbestätigungen (Spendenquittungen) und zu steuerlichen Themen klären Sie mit Ihrem Steuerberater. Sie hängen unter anderem davon ab, ob Ihr Verein als gemeinnützig anerkannt ist.
Typische Stolperstellen vermeiden
Einige Dinge laufen in vielen Gemeinden ähnlich schief. Mit etwas Vorbereitung lassen sie sich vermeiden:
- Zusagen sind noch kein Geld. Verfolgen Sie Zusagen freundlich nach, aber planen Sie die Bestellung mit dem, was tatsächlich eingegangen ist oder durch das Vereinsbudget gedeckt wird.
- Zu spät starten. Beginnt die Aktion erst kurz vor dem Wunschtermin, wird die Zeit knapp. Starten Sie früh genug, damit Bestellung und Verlegung noch in den Zeitplan passen.
- Nur einen Teil der Gemeinde ansprechen. Beziehen Sie auch Frauen- und Jugendgruppen ein. Wenn es einen Frauenbereich gibt, sollte er in der Planung des Teppichprojekts mitgedacht werden.
- Zu viele Wege für Spenden. Nutzen Sie eine Kontoverbindung und eine Liste, damit die Übersicht nicht verloren geht.
Ankündigung und Aushang: Vorlagen zum Kopieren
Ein kurzer Text nach dem Freitagsgebet und in der Gemeindegruppe reicht oft aus. Die Angaben in eckigen Klammern ergänzen Sie selbst:
As-Salamu Alaikum liebe Geschwister,
unser Gebetsraum bekommt einen neuen Teppich. Damit wir dieses Projekt gemeinsam tragen, starten wir in der [Name der Moschee] eine Teppich-Patenschaft.
So funktioniert es: Der Gesamtbetrag laut Angebot wird auf unsere [Zahl der Plätze] Gebetsplätze verteilt. Ein Platz entspricht [Betrag pro Platz]. Sie können einen Platz, mehrere Plätze oder einen freien Beitrag übernehmen. Die Teilnahme ist freiwillig, und auf Wunsch bleibt Ihr Beitrag anonym.
Den aktuellen Stand sehen Sie am Spendenbarometer im Eingang. Die Aktion läuft bis [Datum].
Fragen und Überweisung: [Kontoverbindung/Ansprechpartner]
Möge Allah es von uns allen annehmen.
Idee für den Aushang: das Spendenbarometer. Zeichnen Sie auf ein großes Plakat den Umriss des Teppichs oder eine Reihe von Platzfeldern. Für jeden übernommenen Platz malen Sie ein Feld aus. So sieht jeder auf einen Blick, wie weit die Aktion ist, ohne dass Namen oder Beträge genannt werden. Aktualisieren Sie das Plakat nach jedem Freitagsgebet.
Auf dem Aushang sollten stehen:
- das Ziel (Zahl der Gebetsplätze) und der aktuelle Stand,
- die Laufzeit der Aktion,
- Ansprechpartner und Kontoverbindung,
- der Hinweis, dass die Teilnahme freiwillig ist.
Respektvoll bleiben: kein Druck, auf Wunsch anonym
Eine Patenschaft ist freiwillig. Setzen Sie niemanden unter Druck, und nennen Sie nie Mitglieder, die nicht gespendet haben. Bieten Sie ausdrücklich an, anonym zu bleiben: Viele Menschen möchten, dass ihre Spende privat bleibt.
Wir empfehlen außerdem, die Namen der Paten nicht auf den Teppich selbst zu setzen. Der Platz soll Teil des gemeinsamen Raums bleiben. Wer eine Würdigung wünscht, kann stattdessen auf einer Dankestafel im Eingangsbereich genannt werden, aber nur mit Einverständnis.


